A cappella vom Feinsten

„Lords of the Chords“ eröffnen Park-Konzert-Reihe

Eine sommerlich heitere Atmosphäre, neun bestens disponierte Lords und ein hingerissenes Publikum, das in Scharen in die Gartenanlage der ehemaligen Keysersmühle strömte, sodass die Gastgeber noch eilends Klappsitze anschleppen mussten – das war der verdiente Lohn für das Bemühen, mit der Reihe „Konzerte im Park“ neue Akzente im Johann- Sebastian-Bach-Haus und somit in Klingenmünster zu setzen. Eine gelungene
Premiere.

Nein, die „Lords of the Chords“ verstehen sich nicht nur auf Schlussakkorde, wie sie selbst augenzwinkernd bemerken, den „Rest“ singen sie natürlich auch. Und zwar mit Bravour, selbst in gefährlich hohen Tonlagen ganz ohne Tortur, dabei mit dem nötigen Ernst für die musikalische Essenz. So führte Joe Roesler, der dienstälteste und damit „standesgemäß“ am tiefsten singende Bass des Ensembles mit Witz durch ein Programm, das von Gott und der Welt kündete, mehrere Jahrhunderte umspannte, diverse Stilrichtungen auslotete und in alle Herren Länder führte.
A cappella bewiesen die stimmgewaltigen Herren, dass sich für anspruchsvolle Chormusik fast alle Themen eignen, wie alte Volksweisen und Popsongs, Opernklassiker und kirchliche Werke, deutsche, englische und isländische Texte, ja sogar Zungenbrecher und fremdländische Jodler, die kalauernd mit phonetischen Akkuratessen trumpfen. Dabei begann alles ganz sonor mit Volksliedern, die wir alle so aber noch nicht gehört haben, weil die lebhaft-dynamische Mehrstimmigkeit der Arrangements weit über die traditionelle Vierstimmigkeit hinausreicht und der

Harmonik neue Freiheiten und Klangfarben schenkt. Ruhig und melancholisch wurde mit „Ach Innsbruck ich muss dich lassen“ der Abschied besungen oder ein malerisches Schäferstündchen („Fair Phyllis“) intoniert. Natürlich durfte Mendelssohns inflationär gehandeltes „O Täler Weit, O Höhen“, nach einem Gedicht Joseph von Eichendorffs nicht fehlen, das ein bisschen Schwung in die Klassik bringt. Noch viel besser aber waren die Lords in leisen, zurückgenommenen Titeln („Schnee über meiner Stadt“ oder „Wenn ich ein Vöglein wär“) und in besonders dynamischen Ausgestaltungen, wie der schwedischen Volksweise „Och jungfrun hon går i ringen“ von Hugo Alfvén. Hier konnten die Lords der scheinbar schwerelosen Tragfähigkeit ihrer Stimmen Raum geben und mit beeindruckender Leichtigkeit ihren überaus großen Tonumfang inszenieren.
Auch der Ausflug ins Fach der Klassik mit einem ausgefeilten, sehr nuanciert interpretierten Liedsatz aus Rossinis „Preghiera“ war meisterlich. Das andere Pfund, mit dem der „gemischte Männerchor“ (bestehend „aus Männern und Tenören“) punkten kann, sind Volksweisen mit handfesten ironischen Anklängen („Sagt der Bauer zum Ochsen“), die kleine Dramen bergen.
Ebenso gelungen waren die Interpretationen von Liedern, die zwar einen Namen, aber keinen Text haben und die Kunst des Vortrags in eine hochkonzentrierte Essenz filtern. Zum Ausgleich für das Ungewohnte gab‘s fürs Publikum aber auch Poppiges -besonders gelungen war „How deep is your love“ von den Bee Gees. Kein Wunder, dass die alten und wohl auch neuen Fans ihre Lords auch nach vier Zugaben noch nicht entlassen wollten. (ttg)

Aus "Die Rheinpfalz" vom 28. Juni 2007