Anspruchsvoll amüsant

Vergnüglicher ließ sich der Vorabend zu Silvester wohl kaum verbringen: Das Rennquintett, mittlerweile das pfälzische Vorzeige-Blechbläser- Ensemble Nummer eins, hatte zu einem weihnachtlichen Konzert in die Zwölf-Apostel-Kirche geladen. Gekommen waren rund 700 Zuschauer, um sich fast zwei Stunden köstlich amüsant und künstlerisch anspruchsvoll unterhalten zu lassen.

Gute Tradition ist es bei den Konzerten, die das Rennquintett zwischen dem ersten Advent und dem Jahreswechsel in der Pfalz bestreitet, dass es diese nicht alleine absolviert, sondern sich Gäste einlädt. In Frankenthal waren dies am Sonntagabend die Lords of the Chords, neun Berufssänger oder professionelle Musiker aus dem kurpfälzischen Raum, aus Hamburg, Berlin und Stuttgart. Ein Ensemble, dessen großes Vorbild die englischen King‘s Singers sind und das sein Debüt 2004 in Bad Bergzabern gab. Als musikalischer Hausherr der Zwölf- Apostel-Kirche wirkte auch Bezirkskantor Eckhart Mayer mit, mal als Solist, mal als kongenialer Partner der fünf Blechbläser, der neun Sänger oder mit allen zusammen.
Gleich vorweg: die musikalischen Leistungen der 15 Herren lassen nicht die leiseste Kritik zu. Ein Hochgenuss ist immer wieder das Zusammenspiel der Blechbläser, der Trompeter Uwe Zaiser und Peter Leiner, Jochen Scheerer abwechselnd an Posaune und Euphonium, des Hornisten Sjön Scott und Ralf Rudolf, mal an der Tuba und mal am selten zu hörenden Cimbasso, einer Kontrabass-Ventilposaune.
Vor 20 Jahren haben sich die fünf Musiker des Rennqintetts – alle Mitglieder des SWR-Rundfunkorchesters und der rheinland-pfälzischen Staatsphilharmonie – zusammengefunden nach dem Vorbild der legendären Canadian Brass. Reichlich Zeit, um eine Spielpraxis zu entwickeln, die an blindes gegenseitiges Vertrauen erinnert und gleichzeitig jedoch bestimmt wird von einer echten und authentischen Spielfreude, die ansteckend wirkt. Schön zum Ausdruck kam dies beispielsweise beim ersten Satz

der Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg: so fühlt sich ein begeisterter Reiter im Galopp! Gleichzeitig gelang es den Musikern einmal mehr, sehr viel Niveau in die Auswahl ihrer Stücke zu legen und damit ein überaus breites Spektrum musikalischer Epochen und Stilrichtungen zu streifen.
Geradezu genial waren indes auch die Liedbeiträge der Lords of the Chords, die sich mit ihrer exakten Intonation selbst bei den polyphonsten Stücken als echte Meister der Akkorde profilierten. Ungemein breit gefächert war auch deren stilistisches Repertoire, das von klassischer weihnachtlicher Kirchenmusik bis hin zu Gospel und Swing reichte. Dabei avancierten die schönen, perfekt geschulten Stimmen zu einem ungemein angenehmen Hörgenuss in allen Stimmlagen. Hervorgehoben werden sollten die musikalische Leistung des Countertenors Jochen Henrik Patscheke mit glockenklarer Kopfstimme, die kraftvolle Solopassage von Daniel Schreiber und die zum Dahinschmelzen schönen Tenorsoli von Henning Jensen.
Weitsicht hatten einst die Planer des Kircheninnenraums der Zwölf- Apostel-Kirche bewiesen, denn die Platzierung der Orgel über dem Altarraum erwies sich einmal mehr als geniale Konstruktion. Ist es so doch möglich, dass Blechbläser, Sänger und Orgel zu einem echten Tongebilde verschmelzen, das die Ohren der Zuhörer von einer Seite aus erreicht. Ein solch perfektes Zusammenspiel lässt sich in „klassisch“ aufgebauten Kirchen bedauerlicherweise nie erreichen. Was jedoch wäre die beste Konstruktion ohne deren gekonnte Bedienung, für die Bezirkskantor Eckhart Mayer die richtige Wahl war. Er erwies sich als ebenbürtiger Partner und zeigte bei einigen solistischen Beiträgen seine hohe Kunstfertigkeit.
Durch das Programm führte gewohnt charmant Peter Leiner. Ihm rang Dekanin Sieglinde Ganz-Walther zum Ende des Konzerts die Zusage ab, auch am 30. Dezember 2008 wieder in der Zwölf-Apostel-Kirche zu gastieren, was die begeisterten Zuhörer mit herzlichem Applaus quittierten. (ink)

Rheinpfalz, 2. Januar 2008