Blumenwalzer mit kleinem Kaktus

Zum zwölften Mal Weihnachtskonzert der VR-Bank mit dem „Rennquintett“ in der ausverkauften Landauer Stiftskirche. In diesem Jahr waren die „Lords of the Chords“ und der neue Kantor Stefan Viegelahn erstmals mit dabei.

Wie zuvor schon in Neustadt, Bad Bergzabern, Kandel und Edenkoben füllte das Bläserensemble „Rennquintett“ auch beim fulminanten Abschluss der (immerhin zwölften) weihnachtlichen Konzertreihe – ermöglicht durch die VR-Bank Südpfalz – am zweiten Weihnachtstag die Landauer Stiftskirche bis auf den letzten Platz. Als musizierende Mitstreiter hatten sich die längst auf Kultstatus thronenden Blechbläser Peter Leiner und Uwe Zaiser, Trompeten, Jochen Scheerer, Posaune, Sjön Scott, Horn, und Ralf Rudolph, Tuba, in diesem Jahr das vergleichsweise junge Vokalensemble „The Lords of the Chords“ sowie den Landauer Stiftskantor Stefan Viegelahn als den Hausorganisten geladen – ein Dreigestirn, das sich auf künstlerisch hochkarätige wie rundum unterhaltsame Weise für hoffentlich weitere Unternehmungen dieser Art wärmstens empfahl.
Stilistisch fegte das „Rennquintett“ in seiner ganz eigenen Weise elegant bis temperamentvoll, mit verschmitztem Humor, spielerisch verwalteter Virtuosität und stupendem Spürsinn für die elementaren Zusammenhänge quer durch die Genres und Epochen – alles gleich brillant und zuvorderst: klanglich lupenrein und berstend vor Spiellaune. Händels festliche „Feuerwerksmusik“ zum Auftakt weckte da ebenso erhebende Gefühle wie die beiden – mit dem fabelhaften Organisten Stefan Viegelahn – so farbig und klanggewaltig zelebrierten hymnischen Choralbearbeitungen über „Nun danket alle Gott“ und „Tochter Zion“ des Landauer Komponisten Jürgen Pfister. Geschliffenes barockes Kammerspiel beeindruckte bei der delikaten Suite des Bach-Zeitgenossen Joseph Boismortier, während beim kleinen Potpourri aus der weihnachtsseligen „Nussknacker-Suite“ von Peter Tschaikowsky neben spieltechnischer Raffinesse zum Ende hin der Blechbläsern eigene freche „Affe“ wieder reichlich Zucker naschte: Der „Blumenwalzer“ hatte neben einigen buntscheckigen Operettenröschen gar einen „Kleinen grünen Kaktus“ im Bouquet.
Die „Lords“ mit dem Counter Jochen
Patscheke, den Tenören Daniel Schreiber und Maurice Croissant,

den Bässen Philip Niederberger, Joe Rösler und Joachim Höchbauer, sowie den alles einenden „Mittelachsen“ Florian Schmitt, Frederik Diehl und Tobias Brommann präsentierten sich nicht minder leuchtend: ein Ensemble, das auf ganz bewundernswerte Weise die Kunst der schwebenden, in eins fließenden Balance beherrscht, das neun selbstbewusste Solisten, mithin neun stimmlich eigenwillige Persönlichkeiten im ganz reinen Wortsinne in Einklang bringt und dessen musikalische Rhetorik den Zuhörer restlos zu fesseln vermag. Ganz besonders atemberaubende Momente bescherten das ungemein konzentriert und nobel vorgetragene „Traumlicht“ von Richard Strauss und das zauberhafte Gebet „Seigneur, je vous en prie“ in der Vertonung von Francis Poulenc. Dass die „Lords“ fabelhaft zu jazzen verstehen, dies auf sehr virtuosem Niveau, davon zeugte unter anderem das von Thomas Dorsey peppig arrangierte Spiritual „If we never needed the Lord before“. Mit populären weihnachtlichen Sätzen aus dem Repertoire der legendären „King’s Singers“ – die Lords zitieren sie gerne als ihre spirituellen Paten - , einem opulenten Satz aus der Feder Giovanni Gabrielis, „Hodie Christus natus est“, und dem flotten „The very best time of the year“ von John Rutter präsentierten sich beide Ensembles in schönstem musikalischen Einvernehmen.
Stefan Viegelahn gelang es mit seinem makellosen, charismatischen Spiel einmal mehr, die Aufmerksamkeit nach oben, der Mittelempore zuzulenken. Mit dem leidenschaftlich bewegten „Lied an die Sonne“ des niederländischen Zeitgenossen Flor Peeters setzte er die herrliche Stiftskirchen- Orgel klangmächtig und farbenreich in Szene, und auch seine Improvisationen über ein volkstümliches Weihnachtslied beeindruckten nachhaltig.
Zum heiteren Ende bescherten die „Lords of the Chords“ köstlichen Slapstick aus dem Schatzkästlein für Stimmakrobatik, eine Art Jodelstück, allerdings auf Finnisch. Das Rennquintett wiederum tobte sich unter dem Motto „Jingle bells“ noch mal nach Herzenslust munter parodierend und peppig feixend aus.
Der Reinerlös fließt in bestem ökumenischen Einvernehmen zu gleichen Teilen den Restaurierungsmaßnahmen Katharinenkapelle, Stiftskirchen- Mausoleum und Marienkirchen- Orgel zu.

Gertie Pohlit, Rheinpfalz vom 29. Dezember 2008