Mit Können, Charme und Schabernack

Nicht nur der Anblick der zehn Sänger in adretten schwarzen Anzügen ließ Frauenherzen höher schlagen: Auch musikalisch war das Konzert der „Lords of the Chords“ am Freitag in der Pauluskirche Hambach ein reines Vergnügen.

Mit Sensibilität für die jeweilige Stilrichtung sang der Chor in seinem Programm „Von Engeln und Tälern“ geistliche sowie weltliche Stücke von der Romantik bis zur Moderne und einige Volksweisen aus verschiedenen Ländern. Dabei zeigte er viele Facetten.
Die zehn jungen Herren des Chores ähneln den weltweit bekannten „Ten Tenors“ sehr, die sich durch ein großes Maß an Können und eine gewaltige Portion Charme auszeichnen. „The Lords of the Chords“ besitzen davon genauso viel, wenn nicht sogar mehr. Bereits die Moderationen des Bass-Sängers Joe Roesler sorgte für eine gute Stimmung. Doch zwei große Unterschiede gibt es zwischen den „Ten Tenors“ und dem deutschen Pendant: Zum einen bestehen die „Lords“ nicht nur aus Tenören. Vielmehr setzt sich der Chor aus zwei Bässen, drei Baritonen, vier Tenören und sogar einem Countertenor, also einem Männeraltisten, zusammen. Zum anderen hat das Programm der „Lords“ einen anderen Anspruch: Von Hugo Wolf über Felix Mendelssohn-Bartholdy zu bekannten Volksliedern aus verschiedenen Ländern von Edvard Grieg bis Zoltán Kodály. Wo bei den „Lords“ eher klassische Musik und Volksweisen vorwiegen, ist es bei den „Tenors“ eher Pop und Unterhaltungsmusik.
Am Abend in der Pauluskirche war für jeden was dabei: Wer bis zur Pause mit den geistlichen Stücken noch nicht so recht warm geworden war, was allerdings schwer vorstellbar schien, kam spätestens im zweiten Teil, der sich mit weltlicher Musik befasste, auf seine Kosten. Durch die Pause in zwei Abschnitte geteilt, wurde die Grenze „Zwischen Engeln und Tälern“ gezogen.
In allen Einlagen begeisterte der Chor: Die Einsätze der Stimmen bei Mendelssohn-Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ gelang reibungslos und fließend. Schon hier legten die Sänger bei der

Dynamik und Artikulation viel Feingefühl an den Tag. Der Hochtenor brillierte in den hohen Lagen hier schon und stach sich perlend von den tieferen Männerstimmen ab. Der Countertenor Jochen Patscheke hatte anfangs bei dem finnischen Komponisten Jaakko Mäntyjärvis „Oi Herra, armos mulle suo“ mit ein paar kleineren Intonationsschwierigkeiten zu kämpfen, die jedoch schnell überwunden waren. Bei den darauffolgenden Einlagen wie „Liebchens Bote“ von Max Reger im zweiten Teil sang er glasklar und überzeugend die sehr hohen Gesangspartien. Nicht nur was die Epoche und den Stil anbelangt, gestaltete sich das Programm äußerst facettenreich: Das Publikum wurde auch in verschiedene Länder und Sprachen entführt. Neben französischen und englischen Titeln sangen die „Lords“ Stücke auf Finnisch, Baskisch und sogar Hebräisch. Die Artikulation der Worte in den jeweiligen Sprachen wirkte dabei natürlich und nicht gekünstelt.
Einen kleinen „Schmunzler“ gab es im zweiten Teil mit „Ein Jäger längs dem Weiher ging“ einem bekannten Volkslied, arrangiert von Bernd Englbrecht. In dem Stück geht es um einen Jäger, der vor einem „Kobold“ mit teuflisch blitzenden Augen in der Nacht davonläuft. Er rennt und rennt und wird dabei immer schneller, bis er in seiner Hütte angekommen ist. Dieser „Kobold“ entpuppt sich jedoch als kleines Häschen, das auf der Wiese spielt und dessen Augen im Mondschein glänzen. Die „Lords“ trugen dieses Stück mit viel Witz vor. Die Worte „Lauf, Jäger lauf“, gepaart mit einem Accelerando (schneller werdend), machte aus dem Rennen des Jägers eine richtige Hetzjagd auf Leben und Tod. Den Sängern selbst war der Schabernack ins Gesicht geschrieben. Genauso viel Spaß wie das Zuhören bereitete das Zusehen.
Nach anhaltendem langen Applaus und stehenden Ovationen gab es drei Zugaben der zehn Herren. Und da wurden sie den „Ten Tenors“ wieder ähnlicher: Mit „How deep is your love“ von den Bee Gees und „What a wonderful world“ von Louis Armstrong verabschiedeten sie sich von den Zuhörern.

Winnie Starke, Rheinpfalz vom 7. Januar 2008