Und am Ende wiehert das Pferd

Das „Rennquintett“ und die „Lords Of Chords“ erfreuen die Zuhörer in der ausverkauften Pirmasenser Johanneskirche

Mit 520 Gästen in der ausverkauften Pirmasenser Johanneskirche dürfte das gemeinsame Konzert des „Rennquintetts“ mit dem Vokalensemble „Lord Of Chords“ wohl das erfolgreichste seiner Art im ausgehenden Jahr gewesen sein – sieht man einmal von den „Regensburger Domspatzen“ in der Festhalle vor einigen Wochen ab. Der weihnachtliche Auftritt des „Rennquintetts“ entwickelt sich zur Tradition und entgegen seinem üblichen Konzertprogramm präsentiert sich das Ensemble hier (fast) ohne musikalische Späßchen in ernster und auch besinnlicher Manier.

Zu dieser Tradition gehört auch, dass sich die überaus beliebten Blechbläser den Abend mit einem Gesangensemble teilen. So werden Ermüdungserscheinungen bei den Zuhörern vorgebeugt, da das Gesamtprogramm sehr abwechslungsreich ist – gerade dann, wenn die „Lord Of Chords“ Werke von Maurice Duruflé oder dem litauischen Komponisten Vytantas Miskinis interpretieren und damit einen reizvollen Kontrast zu Barock oder Spätromantik schaffen. Mehr noch: Bei Giovanni Gabrielis „Hodie Christus natus est“ ergänzen sich Sänger und Ensemble glanzvoll. Auch dies ist ein Beleg für die Spitzenqualität der Blasmusiker, die sich dynamisch neun Sängern anzupassen vermögen.
Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Blechbläserquintett solcher Prägung zumeist auf Bearbeitungen von Werken zurückgreift, die als Original für ein ganz anderes Instrumentarium gedacht sind. Dazu gehört Edvard Griegs „Crossover-Suite“ (Trompeter Peter Leiner benutzte diesen recht passenden Begriff) „Aus Holbergs Zeit“, die unlängst auch von den „Salzburg Chamber Soloists“ in der Pirmasenser Festhalle zu hören waren. Durch

die reine Bläservariante gewinnt vor allem der erste Satz, in der die Trompete das Motiv erstrahlen lässt.
Das „Rennquintett“ kennt keine Grenzen: So gelingen die schnellen Figuren in Bachs berühmter Orgeltoccata d-moll – das Stück wurde im Wechsel mit Maurice Croissant an der Orgel gespielt – ebenso sauber wie zwei südamerikanische Weihnachtslieder im modernen Bläsersatz arrangiert.
Je rhythmischer und schwungvoller das gespielte Werk angelegt war, desto mehr taute das Publikum auf. Stücke wie das muntere Instrumental „Sleigh Ride“ machen so fein gespielt natürlich sehr viel Spaß, vor allem, wenn das „Pferd“ am Ende tatsächlich wiehert, was sich mit einer Trompete trefflich imitieren lässt.
Die „Lords Of Chords“ gehören zu den Vokalensembles, die auch in der Lage sind, Lieder in der Art der britischen „King‘s Singers“, der „Singphoniker“ oder von „Take Six“ korrekt umzusetzen. Wenn ein allseits bekanntes weihnachtliches Lied wie „Maria durch den Dornwald ging“ anklingt, dann natürlich in einem durchweg komplexeren Satz, bei dem „Kyrie Eleison“ auch durchgehend zur Begleitung der Strofen unterlegt wird.
Viel Applaus gab es auch für Thomas A. Dorseys „If We Never Needed The Lord Before“, das als swingender und mit vielen Jazzfarben angelegter Satz die faszinierenden Möglichkeiten eines solchen Vokalensembles aufzeigt. Ganz anders „Cantate domino“ von Vytantas Miskinis, dem Peter Leiner in seiner Anmoderation eine romantische Prägung unterstellte. Das trifft den Kern jedoch nicht: Eigentlich mixt Miskinis auch Elemente der heutigen Pop-Musik in seine harmonisch reichen Sätze. Hier wird dann auch Mehrstimmigkeit in hoher Kultur geboten – die Reibungsklänge der Komposition erfordern sehr intonationssichere Sänger.

Hans Scharf, Rheinpfalz, 31. Dezember 2007